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Trauerfeier für legendären Misthauswirt Gustav Ginzel am Pfingstsonntag
Hunderte „Misthäusler“ aus Sachsen werden erwartet
Heinz Eggert hält deutsche Trauerrede
Die große Trauerfeier für den am 28. November 2008 verstorbenen legendären Wirt des Misthauses im böhmischen Isergebirge wird am Pfingstsonntag, 31.Mai 2009, um 10.30 Uhr auf dem Bergsteigerfriedhof in Hruba Skala stattfinden.
Dazu haben sich hunderte Gäste aus Tschechien, Deutschland und ganz Europa angemeldet. Auf der protestantischen Messe werden Trauerreden in verschiedenen Sprachen gehalten, die deutsche Rede trägt Sachsens Ex-Innenminister Heinz Eggert vor. Er hatte ein besonders gutes Verhältnis zu Gustav Ginzel und war seit den siebziger Jahren Stammgast im Misthaus.
Die meisten der deutschen Gäste kommen sicherlich aus Sachsen, hier war das Misthaus am bekanntesten. Im Laufe der Jahre lernten Zehntausende die originelle Herberge kennen. Wegen seiner Kontakte zu Persönlichkeiten der Opposition in der ČSSR und DDR, die sich auch gern bei ihm trafen, wurde Gustav Ginzel sowohl von der Staatssicherheit der DDR als auch von tschechoslowakischen Behörden überwacht und erhielt zeitweilig Reiseverbot. Ginzel engagierte sich seit den 60er-Jahren stark für Maßnahmen zum Umweltschutz. Er machte insbesondere auf das durch die Rauchgase der Braunkohlekraftwerke verursachte verheerende Waldsterben auf den Kämmen des Isergebirges aufmerksam.
Da das Misthaus kein öffentlicher Beherbergungsbetrieb war, durfte Gustav Ginzel auch keine Einnahmen für Übernachtungen kassieren. Diese Handhabung wurde von den regionalen Behörden der ČSSR des Öfteren überprüft. Nicht untersagen konnte man ihm allerdings die Aufnahme von privaten Gästen, die mit ihren Schlafsäcken überall im Haus Platz fanden.
Der Ort der Trauerfeier ist nicht zufällig gewählt. Auf dem Bergsteigerfriedhof Hruba Skala sind Freunde von Gustav Ginzel beigesetzt, die 1970 bei einer Andenexpedition in Peru umgekommen sind. Ginzel war von diesem Vorfall sehr betroffen und sorgte für regelmäßiges Gedenken an die Verunglückten. Er war Hauptorganisator des bis heute jährlich stattfindenden Isergebirgslaufes.
Pressevertreter sind herzlich eingeladen über das Ereignis zu berichten. Hruba Skala befindet südlich von Liberec in der Nähe von Turnov. Ansprechpartner für die Presse ist Jörg Puchmüller (puffi@loop.de; 0172-7978582).
http://www.radio.cz/de/ausgabe/96894
Abschiedsworte für einen guten Freund- Gustav Ginzel
In großer Dankbarkeit von Heinz Eggert
Hruba Skala Bergsteigerfriedhof am 31.05.2009
Ich hebe meine Augen zu den Bergen
woher kommt meine Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn, sich
der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen;
und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels
schläft noch schlummert nicht.
Der Herr behütet dich;
der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand.
dass dich des Tages die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts. bei der
Der Herr behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele
der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit.
Psalm 121
Liebe Familie Ginzel, lieber Bruder Jaluska liebe Freunde und liebe Misthaus-Gemeinde,
Es ist schon seltsam. Es gibt Menschen die leben und die nicht lebendig wirken, weil sie nichts ausstrahlen, die sich weder geistig noch körperlich bewegen und von denen auch nichts Anspruchsvolles kommen, weil sie selber keine Ansprüche an das Leben haben.
Und dann gibt es Menschen, die nicht mehr da sind, die gestorben und trotzdem in uns ausgesprochen lebendig sind und uns umtriebig machen- sowie Gustav Ginzel.
Ganz gleich wo man auf der Welt jemanden trifft, der einmal im Misthaus im Isergebirge war
und Gustav getroffen hat,
ich bin gleich mit ihm im Gespräch -natürlich per DU –,
wir sind voller Geschichten,
begeistern uns an der eigenen Erinnerung,
scheren beim erzählen so sehr aus dem Alltag aus,
so dass ein Nichtwissender sich fragt: Was ist dort nur passiert? Im Misthaus im Isergebirge.
Ja manche Leute wissen sogar nur, das ist es dieses schöne Isergebirge gibt, weil dort das Misthaus stand.
Ja, liebe Freunde, was ist da nur mit uns passiert?
Da kann jetzt jeder seine eigenen Geschichten erzählen. Aber in allen Geschichten werden wir Gustav wieder finden. Ausgesprochen lebendig und liebenswert und manchmal nervend.
Wir werden ihn so wieder finden, wie er uns in dieser politisch zu betonierten Zeit,
(in der lieber Pfarrer Jaluska, die Pfarrer nicht im Gefängnis arbeiteten, so wie sie jetzt, sondern aus ideologischen Gründen im Gefängnis saßen)
eine Zeit, die wir Gott sei Dank alle hinter uns haben - ohne die es aber auch nicht die segensreichen Wirkungen Gustavs gegeben hätte-
wir werden ihn so wiederfinden wie er uns gastfreundlich aufgenommen, mit dem Öffnen seiner reich beschilderten Haustür Welten geöffnet und Horizonte weiter gesteckt hat,
wie er uns dazu gebracht hat, freiwillig Essen, Trinken ,Meinungen und Leben miteinander zu teilen- und das alles mit sehr viel Gelassenheit, Lebenserfahrung ,Schalck und Humor.
Logisch eben, wie Gustav es immer betonte.
Keiner verließ das Misthaus, so wie gekommen war.
Und ich meine jetzt nicht die 60 Briefe und Karten- natürlich unfrankiert-, die Gustav mit auf den Weg gab um sie in der DDR in den Briefkasten zustecken, damit sie an der Grenze nicht abgefangen werden konnten und in denen wahrscheinlich stand:
Nehme nur die nicht rauchen, nicht saufen, Nachtruhe einhalten, alles sauber machen, richtig ausgerüstet sind, gepflegtes Äußeres haben usw.
Also solche wie wir.
Ich meine auch nicht seine Aufträge, irgendwelche interessanten Straßenschilder abzuschrauben und beim nächsten Mal mitzubringen, damit seiner Sammelwut und dem Erstaunen der Besucher genüge getan werden konnte wenn sie Gustavs legendäre Hausführungen erlebten, und die angebrachten Schilder, z.B. auf der wackligen Bodenstiege: Privatweg, Benutzung auf eigene Gefahr lesen konnten und beim Schild "Notbeleuchtung" sogar noch Kerzen vorfanden.
Ich meine auch nicht die neuen Erkenntnisse, die Gustav schalkhaft vermittelte.
Das offensichtlich Goethe im Misthaus gewohnt habe, weil ja sonst ein Schild "Hier wohnte Goethe nicht!"angebracht worden wäre. Logisch eben!
Auch die ernsthaften Erkenntnisse über Nord/Ostsee Wasserscheiden, norwegische Findlinge, tausendjährige Eiben, über die Wüste Sahara, über Peru dann wieder über misslungene illegale Grenzübertritte DDR/CSSR usw.usw. sind nicht gemeint.
Nein, wir verließen das Misthaus anders als wir gekommen waren,
mit einer großen Sehnsucht nach Ferne und Freiheit,
mit neu gefundenen geistesverwandten Freunden,
mit der Erkenntnis, wie wenig man eigentlich braucht um aus dem Vollen zu leben um nicht in der Fülle zu ersticken.
Wir wurden sensibler für Umwelt-und Zivilisationsschäden, für falsche menschliche Konventionen
und unechte Phrasen in einer Zeit ,in der private Umweltmessungen noch Staatsverbrechen waren.
Gustav war ein anschaulicher glaubhafter Lehrer, weil er das was er sagte, auch lebte.
Wer ihn nur auf seinen Humor, seine Verschmitztheit seine Schlagfertigkeit und seine Schweykschen Eigenschaften
reduziert-tut ihm unrecht.
Er war ein gutmütiger, ernstzunehmender, hoch intelligenter und nachdenklicher Mensch, der sehr an den Wunden litt, die ihm das Leben geschlagen hatte.
Auf wenn er scherzhaft behauptete, die Kommunisten hätten ihm das Leben gerettet, weil sie ihm
1970 keine Ausreisegenehmigung für die Expedition in Peru gegeben hätten.
Er konnte nur mit innerer Bewegung und Tränen in den Augen darüber sprechen.
Auf den Tag genau vor 39 Jahren, am 31. Mai 1970 vernichtete nach einem Erdbeben ein gigantischer Bergsturz, die Stadt Yungay und das Leben von ca. 20'000 Einwohnern. Bei diesem Bergsturz wurde auch das Basislager der 15-köpfigen tschechoslowakischen Bergsteigermannschaft unter meterhohen Geröllmassen begraben. Gustavs Freunde kamen alle um.
Im Winter waren sie noch beim Isergebirgs- Lauf mitgelaufen
Hier, auf diesem Friedhof, wo wir heute Gustav Ginzels gedenken, sind auch ihre Gedenksteine.
Vielleicht aber, wollte Gott ihn damals noch nicht haben, damit wir ihn haben konnten.
1995 ist sein Misthaus in den Himmel aufgestiegen. Gustav ist ihm jetzt gefolgt.
Deshalb sollten wir bei aller Traurigkeit, dankbar sein, dass wir ihn hatten, seinen Geschwistern und besonders seiner Schwester danken, dass sie sich so aufopferungsvoll in den letzten Jahren um ihn gekümmert haben.
Es macht die Wüste wertvoll, dass sie einen Brunnen birgt: Sagt ein altes arabische Sprichwort.
Es machte das Isergebirge wertvoll, das es ein Misthaus barg, dem Gustav seine Seele gab.
Auf jeden Krempel gehört ein Misthausstempel!
Nicht nur auf jeden Krempel, auch wir sind geprägt worden.
Wir haben heute wirklich viel Grund zur Dankbarkeit!
http://picasaweb.google.de/gustavginzel/GustavGinzelGedenkfeier?feat=email#
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Source: Czech Radio 7, Radio Prague
URL: http://www.radio.cz/de/artikel/96894
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Das Misthaus vor dem Brand
Gustav Ginzel (Foto: CTK)
Gustav Ginzel (Foto: CTK)
Heinz Eggert
Stereoklo am Misthaus (Foto: CTK)
Das Misthaus heute
Das Misthaus - ´Wegen Krankheit geschlossen´









