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May 17, 2009May 17, 2009  9 comments  DDR-Geschichte

 

 

 

Trauerfeier für legendären Misthauswirt Gustav Ginzel am Pfingstsonntag

 

Hunderte „Misthäusler“ aus Sachsen werden erwartet

 

Heinz Eggert hält deutsche Trauerrede

 

 

Die große Trauerfeier für den am 28. November 2008 verstorbenen legendären Wirt des Misthauses im böhmischen Isergebirge wird am Pfingstsonntag, 31.Mai 2009, um 10.30  Uhr auf dem Bergsteigerfriedhof in Hruba Skala stattfinden.

 Dazu haben sich hunderte Gäste aus Tschechien, Deutschland und ganz Europa angemeldet. Auf der protestantischen Messe werden Trauerreden in verschiedenen Sprachen gehalten, die deutsche Rede trägt Sachsens Ex-Innenminister Heinz Eggert vor. Er hatte ein besonders gutes Verhältnis zu Gustav Ginzel und war seit den siebziger Jahren Stammgast im Misthaus.

 

Die meisten der deutschen Gäste kommen sicherlich aus Sachsen, hier war das Misthaus am bekanntesten. Im Laufe der Jahre lernten Zehntausende die originelle Herberge kennen. Wegen seiner Kontakte zu Persönlichkeiten der Opposition in der ČSSR und DDR, die sich auch gern bei ihm trafen, wurde Gustav Ginzel sowohl von der Staatssicherheit der DDR als auch von tschechoslowakischen Behörden überwacht und erhielt zeitweilig Reiseverbot. Ginzel engagierte sich seit den 60er-Jahren stark für Maßnahmen zum Umweltschutz. Er machte insbesondere auf das durch die Rauchgase der Braunkohlekraftwerke verursachte verheerende Waldsterben auf den Kämmen des Isergebirges aufmerksam.

 

Da das Misthaus kein öffentlicher Beherbergungsbetrieb war, durfte Gustav Ginzel auch keine Einnahmen für Übernachtungen kassieren. Diese Handhabung wurde von den regionalen Behörden der ČSSR des Öfteren überprüft. Nicht untersagen konnte man ihm allerdings die Aufnahme von privaten Gästen, die mit ihren Schlafsäcken überall im Haus Platz fanden.

Der Ort der Trauerfeier ist nicht zufällig gewählt. Auf dem Bergsteigerfriedhof Hruba Skala sind Freunde von Gustav Ginzel beigesetzt, die 1970 bei einer Andenexpedition in Peru umgekommen sind. Ginzel war von diesem Vorfall sehr betroffen und sorgte für regelmäßiges Gedenken an die Verunglückten. Er war Hauptorganisator des bis heute jährlich stattfindenden Isergebirgslaufes.

Pressevertreter sind herzlich eingeladen über das Ereignis zu berichten. Hruba Skala befindet südlich von Liberec in der Nähe von Turnov. Ansprechpartner für die Presse ist Jörg Puchmüller (puffi@loop.de; 0172-7978582).

 

 

 

http://www.radio.cz/de/ausgabe/96894

 

 

 

 

 

 Abschiedsworte für einen guten Freund- Gustav Ginzel

In großer Dankbarkeit von Heinz  Eggert

 

 

Hruba Skala  Bergsteigerfriedhof am 31.05.2009

 

 

 

 

Ich hebe meine Augen zu den Bergen
woher kommt meine Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn,  sich
der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen;
und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels
schläft noch schlummert nicht.
Der Herr behütet dich;
der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand.
dass dich des Tages die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts. bei der
Der Herr behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele
der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit.

Psalm 121

 

 

Liebe Familie Ginzel,  lieber Bruder  Jaluska   liebe Freunde und  liebe Misthaus-Gemeinde,


Es ist schon seltsam. Es gibt  Menschen die leben und die nicht lebendig wirken, weil sie nichts ausstrahlen, die sich weder geistig noch körperlich bewegen und von denen auch nichts Anspruchsvolles kommen, weil sie selber keine Ansprüche an das Leben haben.

 Und  dann gibt es Menschen,  die nicht mehr da sind, die gestorben und trotzdem in uns ausgesprochen lebendig sind und uns umtriebig machen- sowie Gustav  Ginzel.


Ganz gleich wo man auf der Welt jemanden trifft, der einmal  im Misthaus im Isergebirge  war

 und Gustav getroffen hat,

ich bin gleich mit ihm im Gespräch  -natürlich per DU –,

wir sind voller Geschichten,

 begeistern uns an der eigenen Erinnerung,

scheren beim erzählen so sehr aus dem Alltag aus,

so dass ein Nichtwissender  sich fragt: Was ist dort nur passiert?   Im Misthaus im Isergebirge.


Ja manche Leute wissen sogar nur, das ist es dieses schöne  Isergebirge gibt, weil  dort das Misthaus  stand.

Ja, liebe Freunde, was ist da nur mit uns  passiert?

Da kann jetzt jeder seine eigenen Geschichten erzählen. Aber in allen  Geschichten werden wir Gustav wieder finden. Ausgesprochen lebendig und liebenswert und manchmal nervend.


Wir werden ihn so wieder finden, wie er uns in dieser politisch zu betonierten Zeit,

(in der lieber Pfarrer Jaluska, die Pfarrer nicht im Gefängnis arbeiteten, so wie sie jetzt, sondern aus ideologischen Gründen im Gefängnis saßen)

eine Zeit, die wir Gott sei Dank alle hinter uns haben - ohne  die es aber auch nicht die segensreichen Wirkungen Gustavs gegeben hätte-

wir werden ihn so wiederfinden  wie er uns  gastfreundlich aufgenommen, mit dem Öffnen seiner reich beschilderten Haustür Welten geöffnet  und Horizonte weiter gesteckt hat,

wie er uns dazu gebracht hat, freiwillig Essen, Trinken ,Meinungen  und  Leben miteinander zu teilen- und das alles mit sehr viel Gelassenheit, Lebenserfahrung ,Schalck  und Humor.

Logisch eben, wie Gustav es immer betonte.


Keiner verließ das Misthaus, so wie  gekommen war.

Und ich meine jetzt nicht die 60 Briefe und Karten- natürlich unfrankiert-, die Gustav mit auf den Weg gab um sie in der DDR  in den Briefkasten zustecken, damit sie an der Grenze nicht abgefangen werden konnten und in  denen wahrscheinlich stand:

Nehme nur die nicht rauchen, nicht saufen, Nachtruhe einhalten, alles sauber machen, richtig ausgerüstet sind, gepflegtes Äußeres haben usw.


Also solche wie wir.


 Ich meine auch nicht seine Aufträge, irgendwelche interessanten Straßenschilder abzuschrauben und beim nächsten Mal  mitzubringen, damit seiner Sammelwut und dem Erstaunen der Besucher genüge getan werden konnte wenn sie Gustavs legendäre  Hausführungen erlebten, und die  angebrachten  Schilder, z.B. auf der wackligen Bodenstiege: Privatweg, Benutzung auf eigene Gefahr  lesen konnten und  beim Schild "Notbeleuchtung" sogar noch Kerzen vorfanden.


Ich meine auch nicht die neuen Erkenntnisse, die Gustav  schalkhaft vermittelte.

Das offensichtlich Goethe im Misthaus  gewohnt habe,  weil  ja  sonst ein Schild "Hier wohnte Goethe nicht!"angebracht worden wäre. Logisch eben!


Auch die ernsthaften Erkenntnisse  über Nord/Ostsee Wasserscheiden, norwegische Findlinge, tausendjährige Eiben, über die Wüste Sahara, über  Peru  dann wieder über misslungene  illegale Grenzübertritte DDR/CSSR usw.usw. sind nicht gemeint.



Nein, wir verließen das Misthaus  anders als wir gekommen waren,


mit einer großen Sehnsucht nach Ferne und Freiheit,

 mit neu gefundenen geistesverwandten Freunden,

 mit der Erkenntnis, wie wenig man eigentlich braucht um aus dem Vollen zu leben um  nicht in der Fülle zu ersticken.


Wir wurden  sensibler  für Umwelt-und Zivilisationsschäden, für falsche menschliche Konventionen

und unechte Phrasen  in einer Zeit ,in der private Umweltmessungen noch Staatsverbrechen waren.


Gustav war ein anschaulicher glaubhafter  Lehrer, weil er das was er sagte,  auch lebte.

Wer ihn nur auf seinen Humor, seine Verschmitztheit seine Schlagfertigkeit und seine Schweykschen Eigenschaften

reduziert-tut ihm unrecht.


 Er war ein gutmütiger, ernstzunehmender, hoch intelligenter  und nachdenklicher Mensch, der sehr an den Wunden litt, die ihm das Leben geschlagen hatte.


Auf wenn er scherzhaft behauptete, die Kommunisten hätten ihm  das Leben gerettet, weil sie ihm

1970 keine Ausreisegenehmigung für die Expedition in Peru  gegeben hätten.

 Er konnte nur mit innerer Bewegung und Tränen in den Augen darüber sprechen.


Auf den Tag genau vor 39 Jahren, am 31. Mai 1970 vernichtete nach einem Erdbeben ein  gigantischer Bergsturz, die Stadt Yungay  und das Leben von ca. 20'000 Einwohnern. Bei diesem Bergsturz wurde auch das Basislager der 15-köpfigen tschechoslowakischen Bergsteigermannschaft unter meterhohen Geröllmassen begraben. Gustavs Freunde kamen alle um.

 Im Winter waren sie noch beim Isergebirgs- Lauf mitgelaufen


 Hier, auf diesem Friedhof, wo wir heute Gustav Ginzels  gedenken, sind auch ihre Gedenksteine.


Vielleicht aber, wollte Gott ihn damals noch nicht haben, damit wir ihn haben konnten.

1995 ist sein Misthaus in den Himmel aufgestiegen. Gustav ist ihm jetzt gefolgt.

Deshalb sollten wir  bei aller Traurigkeit, dankbar sein, dass wir ihn  hatten,  seinen Geschwistern und besonders seiner Schwester danken, dass sie sich so aufopferungsvoll  in   den letzten Jahren um ihn gekümmert haben.


 Es macht die Wüste wertvoll, dass sie einen Brunnen birgt: Sagt ein altes arabische Sprichwort.

Es machte das Isergebirge wertvoll, das  es ein Misthaus barg, dem Gustav seine Seele gab.


Auf jeden Krempel gehört ein Misthausstempel!

Nicht nur auf jeden Krempel, auch wir sind geprägt worden.



Wir haben heute wirklich viel Grund zur Dankbarkeit!

 

 

 

 

http://picasaweb.google.de/gustavginzel/GustavGinzelGedenkfeier?feat=email#

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Suchbegriffe: misthaus gustav ginzel 

July 28, 2008July 28, 2008  0 comments  DDR-Geschichte
[01.11.2007] - Forum Gesellschaft - Christian Rühmkorf
Das Misthaus ist tot - es lebe das Misthaus! Heinz Eggert über eine tschechoslowakisch-deutsche Legende
Das so genannte Misthaus von Gustav Ginzel, eine kleine Hütte im Isergebirge, ist zur kommunistischen Zeit zu einer Legende geworden. Ein magischer Anziehungspunkt für Naturfreunde, Dissidenten und Politiker der Tschechoslowakei und der DDR. Zu den Gästen des Lebenskünstlers Ginzel gehörte vor und nach der Wende auch Heinz Eggert, der spätere Innenminister von Sachsen. Christian Rühmkorf hat mit ihm über diese Zeit, über Gustav Ginzel und das Misthaus gesprochen.
"Es gab eine ganze Zeit in meinem Leben, wo ich gar kein Problem hatte mit der DDR-Diktatur. Auch gar kein Problem mit dem Kommunismus, weil ich staatskonform aufgewachsen bin."
Das war die Zeit, in der Heinz Eggert als Stellwerkmeister und Fahrdienstleiter bei der Deutschen Reichsbahn in Rostock gearbeitet hat. Die 60er Jahre in der DDR. Dass er Regimegegner wurde und Jahrzehnte später sächsischer Innenminister, das war in seiner Lebensplanung nicht vorgekommen. Es war ein einziger Tag, der die Weichen in seinem Leben umgestellt hat - das gewaltsame Ende des Prager Frühlings:
"Das war der 21. August 1968, weil ich Prag vorher kennen gelernt hatte, diese Stadt wunderschön fand, die Menschen aufgeschlossen - die Diskussionen über Kommunismus mit menschlichem Antlitz, Musik, die in der DDR verboten war, weil es die Musik des Klassenfeindes war. Also insgesamt eine Atmosphäre, wie ich sie nicht kannte, ein lebensfroher Kommunismus im Diskutieren und im Leben und im Feiern. Und von daher wusste ich, was am 21. August, in dieser Nacht niedergewalzt und mit den sowjetischen Panzern kaputtgemacht wurde. Das war mehr als der reale Schaden an Personen und Material, das war im Grunde eine der ganz großen Hoffnungen, die für uns alle in hohem Maße interessant war. Das hat mein Umdenken herbeigeführt."
Herbeigeführt hat es auch seinen Rauswurf bei der Deutschen Reichsbahn. Die Solidaritätserklärung für den Gewaltakt, den die Warschauer-Pakt-Armeen in Prag angerichtet hatten, wollte Heinz Eggert nicht unterschreiben. Es folgten die Beschäftigung mit Religion und ein Theologiestudium, er wurde Gemeindepfarrer in Oybin und Studentenpfarrer in Zittau. Eggert war zum Regimegegner geworden und - zum bespitzelten Subjekt.
Ebenso bespitzelt wurde Gustav Ginzel, einer von Eggerts Freunden auf der anderen, der tschechoslowakischen Seite der Berge. Ginzel rückten die Stasi und die tschechoslowakische STB zugleich auf die Pelle. Er entstammte einer sudetendeutschen Familie, war deutscher und tschechoslowakischer Staatsbürger und wohnte im nordböhmischen Isergebirge im so genannten Misthaus. Da haben sich Heinz Eggert und Gustav Ginzel in den 70er Jahren kennen gelernt.
"Ich hatte immer gehört, dass da so ein ausgesprochen lustiger Polit-Clown in Klein-Iser wohnt. Wir sind dann dort mal hingefahren und als ich mich vorstellen wollte, sagte Gustav Ginzel zu mir: ´Ich weiß schon, du bist der Pfarrer in Oybin, von dir hab ich auch schon genug Geschichten gehört´. Von daher waren wir uns an der Stelle dann beide ziemlich schnell sicher, dass wir die Richtigen waren. Und im Misthaus hat er uns natürlich mit Geschichten vollgestopft. Er war einfach schon eine crazy-faszinierende Persönlichkeit."
Vertrieben wurde Ginzels Familie deshalb nicht, weil sein Vater Spezialist für Textilmaschinen war. Er wurde gebraucht. Und Gustav konnte als Deutscher nur ein Fernstudium machen. Er war - erzählt Heinz Eggert - wohl das, was man am ehesten als Urgestein bezeichnen kann: Geologe, Bergsteiger, Höhlenforscher, Umweltschützer, Buchautor, Weltenbummler und Lebenskünstler und alles zugleich. Seine Basis war ein ehemals als Stall genutztes Häuschen im Isergebirge - das Misthaus. Als er es 1964 kaufte, war es meterhoch mit Mist gefüllt. Ginzel leitete einen Bach durch das Haus, spülte alles raus und machte das Misthaus mit Reiseandenken und Kuriositäten zu einer urig-chaotischen Übernachtungsstätte für Bergsteiger und Wanderer - und zu einem Treffpunkt von Oppositionellen aus der DDR und der Tschechoslowakei.
"Das alte Misthaus hatte eine anziehende Faszination, ohne dass man jemals darin wohnen möchte. In der Küche sah es aus, als wäre dort ein Jahrhundertsturm durchgefegt und seitdem ist dort nichts mehr geschehen. Und Gustav hat aus seiner ordentlichen Unordentlichkeit nie einen Hehl gemacht, sondern er hat im Grunde zu allem, was dort war, eine Geschichte erzählt. Da hingen Backenzähne an der Wand, die er sich irgendwann mal hatte ziehen lassen, er erzählte, wo die gezogen worden waren. Man muss dazu wissen, dass er auch als Bergsteiger und Geologe viel im Ausland gewesen war, auch in Mexiko. Er war also sehr versiert und weitgereist. Und alle Leute, die dort im Misthaus waren, waren zunächst einmal fasziniert, hörten ihm gerne zu, aber waren auch froh, wenn sie wieder gehen konnten. Dann gab es aber auch welche, die oben auf dem Heuboden ihren Schlafsack ausbreiteten, dort wohnten und auf der russischen Toilette draußen ihre Geschäfte verrichteten. Sibirisches Klo nannte sich das ganze. Das war im Grunde nur ein Pfahl zum Festhalten und noch einer um die Wölfe zu vertreiben, falls mal welche ins Isergebirge kommen. Wie gesagt, er hat eigentlich vorweggenommen, was man heute als sehr sehr einfachen Abenteuerurlaub anbieten könnte für verwöhnte Spitzen-Millionäre, damit die sich noch mal wieder als Menschen fühlen."
Diese Faszination haben Gustav Ginzel und sein Misthaus zwar nicht auf Spitzen-Millionäre, aber doch auf Spitzen-Funktionäre ausgeübt, wie Heinz Eggert erzählt.
"Ich weiß auch, dass selbst Gustav Husak zu seinen Gästen gehörte. Es waren also nicht nur Andersdenkende, es waren nicht nur Wandervögel, es war auch das politische Establishment, das sich bei Gustav traf und womit man sich auch ganz gerne schmückte."
Wie kam es zu diesem Besuch des tschechoslowakischen Staatspräsidenten?
"Also nach der Geschichte, die er mir erzählt hat, war das wohl so, dass die Regierungsmannschaften dort im Riesengebirge in etlichen Sonderheimen untergebracht waren. Wie immer natürlich mit besonderer Verpflegung und besonderem Service, den man der übrigen Bevölkerung vorenthielt, um sie nicht zu verwöhnen. Und da muss es einmal zu dieser Begegnung gekommen sein."
Husak und der Staatsfeind - so hätten die Zeitungen damals titeln können. Denn Ginzel wurde der Prozess gemacht:
"Was wenig bekannt ist, ist auch, dass Gustav Ginzel einmal einen Prozess gegen die tschechoslowakische Regierung gewonnen hat. Man durfte ihn offiziell dann nicht als Staatsfeind bezeichnen. Es war ein Gericht in Prag, das ihm Recht gegeben hat. Er wurde vertreten auch durch einen Wanderfreund aus Österreich, einen sehr renommierten Rechtsanwalt. Und das ist wirklich damals ein Novum gewesen, dass er freigesprochen wurde."
Ein Lichtblick von Rechtstaatlichkeit in der kommunistischen Tschechoslowakei?
"Ja, aber ein Lichtblick ergibt eben noch keinen Sternenhimmel."
Gustav Ginzel lebt heute bei seiner Schwester im Allgäu. Das Misthaus existiert nur noch als Nachbau. 1995 ist es komplett abgebrannt. Dank einer Spendenaktion in Deutschland steht es wieder, aber es ist verwaist. Seine große Zeit hatte Gustav Ginzel in den letzten zehn Jahren vor der Wende 1989. Ginzel hat sich augenzwinkernd immer als "Wendeopfer" bezeichnet, weil die Leute dann lieber in die Welt anstatt ins Misthaus reisten. Einer, der noch gekommen ist, war Heinz Eggert:
"Als ich dann sächsischer Innenminister wurde, sind wir eine Woche darauf mit drei Wagen - das war halt so, dass ich in einem gepanzerten Wagen gefahren wurde und zwei gepanzerte noch hinterher fuhren - zu Gustav ins Misthaus gefahren und haben natürlich vorher auch Blaulicht angemacht, damit er sich freut. Und er hat dann ausführlich und immer wieder erzählt, dass der erste Staatsbesuch des sächsischen Innenministers ihm gegolten hätte und nicht Prag."

 


Source: Czech Radio 7, Radio Prague
URL: http://www.radio.cz/de/artikel/96894
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