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Was lange währt…..
Was lange währt…..
Manchmal ist das Leben ausgesprochen erstaunlich.
Ich hatte mich auf ein Seminar an der Fernsehakademie Leipzig vorbereitet. Dort studieren hoch –in Einzelfällen auch minder - motivierte junge Menschen um später als Mediengestalter, Kameraleute oder Rundfunkjournalisten tätig zu sein. Es ist nicht ihre Erstausbildung. Die meisten sind Berufssoldaten bei der Bundeswehr, die ihnen großzügig diese Ausbildung bezahlt um die Wiedereingliederung ins zivile Leben vorzubereiten. Andere kommen von der Arbeitsagentur oder bezahlen die private Ausbildung selbst.
Nur, Ausbildung und Weiterbildung sind das eine und die Umsetzung des eigenen Wissens um die beruflichen Chancen zu erweitern, das Andere. Dieser Spagat der Ungewissheiten sollte-das war der Wunsch der Studenten- mit diskutiert werden.
Also fuhr ich von meiner Dresdner Wohnung aus mit der Taxe zum Bahnhof. Ein Taxifahrer der alten Schule, außerordentlich wohl tuend in seiner Höflichkeit und Zuvorkommenheit .
69 Jahre alt sei er, antwortete auf meine Frage. Vor zwei Jahren hätte er noch einmal den Taxischein
gemacht. Darauf sei er ausgesprochen stolz, weil er wisse, wie viele Jüngere diese Prüfung nicht bestehen. Er fühle sich viel zu jung um zuhause vor dem Fernseher oder auf dem Balkon zu sitzen.
In die Zuschauerrolle des Lebens wollte er in seinem Alter noch nicht gedrängt werden. Respekt!
Ein Einzelfall durch Eigeninitiative! Nur wie viele Menschen, die älter als 60 Jahre alt sind könnten ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten noch in die Erwerbswelt einbringen, wenn wir es politisch und gesellschaftlich vorbereitet und Anreize dazu geschaffen hätten ??
So haben wir sie vorzeitig zu“ Zuschauern des Lebens „gemacht.
Stunden später mitten in der Diskussion an der Fernsehakademie. Schon die zweite Ausbildung für die ungefähr Dreißigjährigen. Das sollte fürs Leben ja zunächst einmal reichen. Eine verständliche Einstellung und trotzdem falsch.
Gerade sie werden lebenslang lernen müssen. Es wird nicht mehr das dreiteilige Lebensmodell-Schule-Lehre oder Studium-Arbeitswelt geben. Immer wieder werden sich Bildungs - und Weiterbildungsabschnitte im Leben abwechseln, weil der Einzelne nur so die Chancen des Arbeitsmarktes wahrnehmen kann.
Der Personalchef der heute schon arrogant glaubt, ein Fünfzigjähriger brauche sich gar nicht mehr bei ihm bewerben, wird in einigen Jahren händeringend nach einem gutausgebildeten Fünfzigjährigen suchen. Das wird zwangsläufig sein in einer Gesellschaft, in der die Jungen immer weniger und die Alten immer mehr und rüstiger werden.
Nur muss eine Lernbereitschaft im höheren Alter durch eine Beteiligung in jüngeren Jahren vorbereitet sein, da sonst die Motivation fehlt. Nicht alle motivieren sich selbst wie dieser Taxifahrer.
Dass wir die Zukunftsaufgabe für Politik, Gesellschaft und die Unternehmen sein.
Manchmal hängt Zukunftssicherung auch vom schnellen Begreifen ab. Oder?
- Lernbereitschaft, denke ich, muss nicht vorbereitet werden, sie muss sich lohnen, wie das Lernen, das dann folgen kann. Gilt genauso für das Sich-Integrieren, mit dem Erlernen der Landessprache und dem Sich-Vertrautmachen mit den örtlichen Gepflogenheiten.
Lohnen bedeutet nicht unbedingt mehr Einkommen, erstrebenswert ist vielleicht ein besserer Begriff in dem Zusammenhang.
Nur ist das mit dem Lohn ja nun so wie mit dem Investieren überhaupt. Selbst bei einem Null-Prozent-Kredit nutzt mir die damit geschaffene 10-Millionen-Fabrik mit 200 Arbeitsplätzen nichts, wenn es kein Produkt gibt, mit dem ich auf einem gesättigten Markt Umsatz erzielen kann, und mir nur bleibt, die Fabrik für 5 Millionen zu verkaufen. Ich bleibe dann auf den Schulden sitzen. Damit sage ich nichts gegen die Zweit-, Dritt- und Viertausbildung, mit der die Erstausbildung angepasst wird. Existierende Fabriken betreiben auch Modellpflege und Gebäude- oder Standortwechsel. Aber etwas gegen das unnütze auf Halde ausbilden.
Der gelobte 67-jährige Taxifahrer muss für seine Berufswahl Kritik hinnehmen, solange der Markt nicht nach mehr Taxis verlangt und alle vorhandenen Fahre voll beschäftigt sind und davon auch voll ihre Familie unterhalten können. So müssend auch unzählige unnütze Qulifizierungsmaßnahmen kritisiert werden.
Was muss nun statt Lernbereitschaft vorbereitet sein?
Dass jeder eine Arbeit findet, mit deren Einkommen er voll für alles aufkommen kann: Verbrauch (=Konsum für die Wirtschaft), und für seine Kinder, und Sparen für deren Studium oder fürs Häusle.
Lauter "voll" und enthalten in Vollbeschäftigung. Und nun bitte nicht nachplappern "wird es nie mehr geben" sondern nur mal wollen. Dann hätten wir bei 10 Millionen verdeckten Arbeitslosen ein um das BSP von 10 Millionen Arbeitern plus Ersparnis von 10 Millionen Durchzufütternden = BSP von 20 Millionen Arbeitern höheres Volkseinkommen und einen so federleichten Sozialstaat, dass auch das Nachgeplappere von Sozialstaat kann sich keiner mehr leisten aufhört.
Wie soll das möglich sein? Mein selbst gefundener Spruch lautet: "Nichts ist perfekt, und solange nichts perfekt ist, haben wir genug zu tun". Ohne Spruch heißt das, Arbeit gibt es ohne Ende, nur muss erreicht werden aus Arbeit bezahlte Arbeit zu machen. Das wiederum bedeutet Abschaffung von Ehrenämtern, Schwarzarbeit und Ausbeutung, Hand in Hand mit Rücknahme von Personalabbau, z. B. von Lehrern durch Erhöhung der Stundenzahl und Klassenfrequenz, Behördenpersonal durch Erhöhung der Fallzahlen usw. Gerade zur Zeit, wo klar ist, dass zur Rettung von Bankeignern und -Managern Milliarden aus dem Nichts geschaffen werden können, ist klar, dass es nur am Wollen liegt.
huscholz
Hans U. Scholz
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