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HeinzEggert's blog / MOPO Kolumnen / Die letzte Sitzung
Die letzte Sitzung
3 July, 20093 July, 2009 0 comments MOPO Kolumnen MOPO Kolumnen

 

Morgenpostkolumne  5.7.2009


Die letzte Sitzung

 

Es war die letzte Sitzung des Landtages vor der Sommerpause.

Es war die letzte Sitzung dieser Legislaturperiode.

 Es war für mich die allerletzte  Landtagssitzung,

weil ich mich im September für immer aus der Politik verabschiede.

Also ein besonderer Tag.

Allerdings mit weniger Wehmut behaftet, als manche vermuteten.

Immerhin hatte  ich meine Entscheidung schon vor fünf Jahren getroffen und mich von niemanden umstimmen lassen. Auch das Argument, ich wäre eigentlich wichtig und unverzichtbar, hat mich nicht überzeugt. Denn als Theologe weiß ich, dass die Friedhöfe voll sind von Wichtigen und  Unverzichtbaren.

Der Verlauf des Tages machte mir  dann allerdings den Abschied  auch sehr leicht.

Es war wie immer. Viele Reden, die an  Rhetorik und Wortgewandtheit vorbei schrammten, aber dafür mit Standpunkten behaftet waren, die sich seit Jahren  kaum  verändert hatten.

Trotzdem sind mir etliche der Redner im Laufe der Jahre durch ihre Art und durch ihre Arbeit sehr sympathisch geworden. 

Es gibt nämlich mehr Bemühen und Ehrlichkeit in der Politik, als öffentlich  so vermutet wird.

Aber die Landtagstribüne ist  immer eine Schautribüne, die dann auch so genutzt wird.

 Teilweise mit scharfen polemischen Worten, die in der ruhigen  sachlichen Arbeit hinter den Kulissen nie fallen würden.  Um aufzufallen muss einfach zugespitzt werden, ohne dass man gleich in Nolles  Pöbeleien verfallen muss.

Ich habe den vielen Jahren oft gedacht, dass die Wahrheit dann wahrscheinlich  den Landtag verlässt und an der Elbe spazieren geht um sich zu entspannen.

Abends war um 18:00 Uhr der Sommerempfang des Landtagspräsidenten.

Familien und Mitarbeiter der Abgeordneten waren, nach teilweise langer Fahrt, nach Dresden gekommen   und standen jetzt im Getränkezelt, um schon  um  17:30 Uhr etwas zu trinken.

Aber es gab nichts,  außer der Anweisung des Präsidenten, dass  erst nach seinem Erscheinen  ausgeschenkt werden dürfe.

 Ich rief die Protokollabteilung an, um sie auf diese, bei Empfängen unübliche

Anweisung ,aufmerksam zu machen.

Einige der Gäste  drohten auch  in ihrer Verärgerung, wieder zu gehen.

Einige Minuten später rief ein Mitarbeiter der  Protokollabteilung den  Gastronom an, um ihm mitzuteilen, dass es bei der Anweisung des Präsidenten bleibe. Auch seinen letzten Satz wiederholte der Gastronom laut für alle Umstehenden gut hörbar: Wenn Herr Eggert mit dem Trinken nicht warten könne, dann könne er ja gehen.

 Nachdem ich mich mit einem Lächeln von den Umstehenden verabschiedet hatte, tat ich das auch.

Ich  ging in die  Dresdner Neustadt, kaufte mir mein Bier selber und unterhielt  mich mit  ausgesprochen sympathischen Menschen.

Zugegebenermaßen, kein würdiger Abschluss für einen solchen Tag. Aber ein ehrlicher! Oder?


 

 

 

 

 

 

TagsTags: landtag 
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