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Arbeitslos und krank?
Morgenpost Kolumne 17.5.2009
Heinz Eggert
Arbeitslos und krank ?
Es gibt Tage, an denen man zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder auf die gleichen Themenbereiche trifft. So war es für mich am Donnerstag.
Im vorübergehen las ich morgens auf der Titelseite dieser Zeitung, dass sich ein Arbeitsloser im Garten erschossen hatte.
Im vorübergehen. Sowie dass mancher von uns tut, ohne dass es ihn noch groß berührt, weil er nicht die Kraft hat, die schrecklichen Schlagzeilen eines Tages überhaupt noch emotional zu verarbeiten. Der Preis dafür ist natürlich eine anhaltende Gleichgültigkeit in unserer Gesellschaft, die manchmal schon ins unmenschliche abgleitet.
Das wurde mir dann einige Stunden später auf einer Gesundheitskonferenz bewusst gemacht, die sich auch mit dem Thema „Gesundheit und Arbeitslosigkeit“ befasste.
Natürlich
gibt es nicht den typischen Arbeitslosen.
Dazu ist das Thema Arbeitslosigkeit zu komplex. Auch die einzelnen Betroffenen
gehen ganz unterschiedlich damit um. Aber wer selbst schon einmal erwerbslos war,
kennt auch die psychologischen Folgen. Selbstzweifel, Resignation,
Depressionen, Belastungen in der Partnerschaft und das Gefühl ausgegrenzt zu werden . Viele Arbeitslose treiben weniger
Sport, außerdem geht die Fähigkeit der Entspannung verloren.
Klar erkennbar sind auch die Auswirkungen auf die Psyche. Über ein Drittel
zeigt Anzeichen für Depressionen. Die Familie ist längst
nicht immer hilfreich bei der Bewältigung der Probleme. Hängt der Haussegen
schief, werden sie dadurch eher verstärkt.
Je länger ein Mensch arbeitslos ist, desto höher ist sein Risiko, ernsthaft zu erkranken. Damit begibt er sich in einen Teufelskreis. Die fast unvermeidbare Folge: Diese Menschen haben auf Grund ihrer Krankheit dann kaum eine Chance mehr auf eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt.
Jahrzehntelang hat man in der Bundesrepublik diesen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Krankheit ignoriert.
Es ist hoffnungsvoll, dass die sächsische Sozialministerin 2007 schon eine Arbeitsgruppe beauftragt hat diesem Problem nachzugehen, in dem die Krankenkassen, die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege, die kommunale Verbände, die Bundesagentur für Arbeit und andere vertreten sind. Und es ist gut dass sie jetzt nach 2 Jahren nach den Ergebnissen fragt.
Arbeitslose dürfen nicht abgestempelt sein für immer. Ihre Handlungsfähigkeit und Gesundheit muss trotz Arbeitslosigkeit erhalten werden.
Das wurde am Donnerstag ganz deutlich zum Ziel erklärt. Aber das ist nur das eine, was notwendigerweise getan werden kann.
Jeder einzelne von uns hat auch eine Verantwortung dafür, dass Arbeitslose nicht im Freundeskreis, in der Nachbarschaft oder in Sportverbänden ausgegrenzt werden.
Das kostet jeden einzelnen von uns nur etwas Zeit und etwas Geld.
Aber Mitmenschlichkeit zahlt sich doch immer aus. Auch wenn wir einmal darauf angewiesen sind. Oder?
- Lieber Heinz Eggert Sie sprechen mir aus dem Herzen.Auch in meiner Familie gibt es Langzeitarbeitslosigkeit.Und es ist bitter wie sehr sich ein Mensch dadurch ins negative verändern kann.Und oft hört man das sie nicht wollen und ich glaube eher ihnen fehlt einfach der verlorene Selbstwert .Trauriger macht mich,dass hier in der Region viele die früher ganz Rot waren heute noch ihre Arbeit in gehobenen Positionen haben,es macht mich wütend,dass dies Alles was mal war vergessen wurde und alles so weiter lief für diese Leute als wenn nichts war.Und Menschen die auf die Strasse demonstrieren gingen sitzen heute lang zu Hause ohne Arbeit.Es ist eigenartig!!
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